Antinationale Assoziation Main-Spessart. http://AAMSP.blogsport.de Tue, 05 Oct 2010 14:30:11 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Am 16.10. nach Darmstadt! http://AAMSP.blogsport.de/2010/10/05/am-16-10-nach-darmstadt/ http://AAMSP.blogsport.de/2010/10/05/am-16-10-nach-darmstadt/#comments Tue, 05 Oct 2010 14:30:11 +0000 Administrator Archiv http://AAMSP.blogsport.de/2010/10/05/am-16-10-nach-darmstadt/ LINKE FREI­RÄU­ME ER­KÄMP­FEN UND VER­TEI­DI­GEN! — UN­SE­RE SO­LI­DA­RI­TÄT GEGEN EURE RE­PRES­SI­ON!

Demonstration in Darm­stadt
16.​10, 17:00 Uhr Darm­stadt Haupt­bahn­hof
neckar5.​blogsport.​de

Eine ge­mein­sa­me Ka­pa­gne der In­itia­ti­ven der „Ne­ckar­stra­ße 5“ und des „Jukuz Ma­ral­do“

Aufruf zur Demo:

Die Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on un­se­rer Be­dürf­nis­se

In den letz­ten Mo­na­ten gab es in Darm­stadt und Bens­heim zwei Haus­be­set­zun­gen. In Darm­stadt wurde die Be­set­zung eines Hau­ses in der Ne­ckar­stra­ße 5 nach einer Nacht be­en­det, indem die Po­li­zei das Grund­stück be­la­ger­te. In Bens­heim wurde der alte Bun­des­wehr­stand­ort von Ak­ti­vis­t_in­nen be­setzt, die auf dem Ge­län­de ein selbst­or­ga­ni­sier­tes Ju­gend-​ und Kul­tur­zen­trum auf­bau­en woll­ten. Die­ses Pro­jekt wurde da­durch ver­hin­dert, dass die Po­li­zei in das Ge­bäu­de ein­drang und mit Kampf­hun­den und ge­zück­ten Te­le­skop­schlag­stö­cken die Men­schen, die bis dahin eine fried­li­che Be­set­zungs­par­ty ge­fei­ert hat­ten, dazu nö­tig­te ihre Per­so­na­li­en auf­zu­ge­ben und das Ge­län­de zu ver­las­sen. An­ders, aber eben­falls ge­räumt, wurde das Wohn­pro­jekt Ne­ckar5 in Darm­stadt. Hier um­zin­gel­te die Po­li­zei das Haus und rie­gel­te es her­me­tisch ab, die Be­set­zer_in­nen wur­den „aus­ge­hun­gert“ und ihre Per­so­na­li­en auf­ge­nom­men.

In bei­den Pro­jek­ten ging es um die (Wie­der-​)an­eig­nung von Frei- und Le­bens­räu­men. Wäh­rend es bei der Ne­ckar5-​Be­set­zung be­son­ders um eine Kri­tik an ka­pi­ta­lis­ti­schen Ei­gen­tums­ver­hält­nis­sen und um die An­eig­nung von Wohn­raum ging, soll­te das Jukuz Ma­ral­do be­son­ders ein un­kom­mer­zi­el­ler Raum sein, in dem so­wohl orts­an­säs­si­ge Men­schen Platz fin­den, als auch die vie­len Men­schen, die jeden Tag nach Bens­heim pen­deln. Beide Be­set­zun­gen soll­ten Raum schaf­fen für Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen, die sich an­ders­wo nicht ren­tie­ren, und einen selbst­or­ga­ni­sier­ten Treff­punkt ohne Kon­sum­zwang schaf­fen.

Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on von Frei­räu­men be­deu­tet für uns, dass diese nach den Be­dürf­nis­sen der Men­schen ge­stal­tet wer­den, die sie be­nut­zen. Dabei wird nach einem Kon­sens­prin­zip ent­schie­den, das heißt, dass je­de_r, der/die nicht ein­ver­stan­den ist, dies äu­ßern kann und der je­wei­li­ge Ple­num­s­ent­schluss noch ein­mal dis­ku­tiert wird. So wird nie­mand über­gan­gen und zwangs­läu­fig kommt es zu einem in­ten­si­ven Re­flek­ti­ons­vor­gang.

Aus­gren­zungs­me­cha­nis­men wie Ras­sis­mus, Se­xis­mus, Ho­mo­pho­bie und An­ti­se­mi­tis­mus wer­den nicht ge­dul­det, denn so wer­den von vorn­her­ein be­stimm­te Men­schen aus­ge­schlos­sen. Der Frei­raum muss aber allen Men­schen eine Chan­ce geben sich zu be­tei­li­gen und ihnen ein po­si­ti­ves Um­feld im grau­en All­tag des Ka­pi­ta­lis­mus bie­ten. Die Struk­tur des Ka­pi­ta­lis­mus mit all ihren Un­ter­drü­ckungs­me­cha­nis­men kann hier zwar nicht auf­ge­ho­ben wer­den, den­noch stellt ein Frei­raum einen Ort für eman­zi­pa­to­ri­sche Be­we­gun­gen, po­li­ti­sche Ar­beit und Re­flek­ti­on dar. Eine kom­plet­te De­kon­struk­ti­on der Ver­hält­nis­se ist na­tür­lich auch so nicht mög­lich, den­noch sind selbst­ver­wal­te­te Häu­ser wich­tig, um uns gegen den ka­pi­ta­lis­ti­schen All­tag zu or­ga­ni­sie­ren.

Der Staat und die Krise

Ge­ra­de in Kri­sen­zei­ten wer­den die Rufe derer lau­ter, die mit Hilfe des Staats und sei­ner Ap­pa­ra­te die Pro­ble­me der Be­völ­ke­rung lösen wol­len. Doch der Staat im Ka­pi­ta­lis­mus muss sich vor­ran­gig nach öko­no­mi­schen In­ter­es­sen rich­ten und eben nicht nach denen der Men­schen. Und so ent­spricht es viel­mehr der Logik des Staats durch Kon­junk­tur­pro­gram­me und Spar­pa­ke­te die Krise auf die­je­ni­gen zu ver­schie­ben, die sich am we­nigs­ten weh­ren kön­nen. Der DGB und an­de­re ge­sell­schaft­li­che Grup­pen blei­ben in ihren Apel­len an den Staat so auch immer der Logik des Ka­pi­ta­lis­mus von Ge­winn­ma­xi­mie­rung und Kon­kur­renz ver­haf­tet und kön­nen so auch keine wirk­li­che Ver­bes­se­rung er­rei­chen.

Es ist von be­deu­ten­der Wich­tig­keit für so­zia­le Kämp­fe, dies in ihre Re­flek­ti­on mit ein­flie­ßen zu las­sen. Der Fokus der Ra­di­ka­len Lin­ken muss sich daher auf das Ein­brin­gen von ei­ge­nen In­hal­ten und Ak­zen­ten rich­ten. Eine Kri­tik also, die den ka­pi­ta­lis­ti­schen All­tag mit sei­nen All­tags­pro­ble­men nicht aus­blen­det, aber sich eben­so für die Ab­schaf­fun­gen von Staat, Na­ti­on und Ka­pi­tal ein­setzt.

Das all­seits vor­herr­schen­de Ge­fühl der Ohn­macht wol­len wir auf­bre­chen und mit den bei­den Be­set­zun­gen in Bens­hein und Darm­stadt zei­gen, dass wir nicht ge­willt sind im Spiel der bür­ger­li­chen De­mo­kra­tie mit­zu­spie­len. Wir eig­nen uns leer­ste­hen­de Häu­ser an, um diese mit Leben und In­hal­ten zu fül­len, die an­sons­ten mar­gi­na­li­siert wer­den. Selbst­or­ga­ni­sier­ter Wohn- und Kul­tur­raum soll ein Bei­spiel dafür sein, dass Al­ter­na­ti­ven zu un­se­rer ka­pi­ta­lis­ti­schen Ge­sell­schaft auf­ge­baut wer­den kön­nen.

That’s the sound of the po­li­ce

Bei die­sem Un­ter­fan­gen sto­ßen wir je­doch auf staat­li­che Ge­gen­wehr, da wir nicht den Re­geln des jet­zi­gen ge­sell­schaft­li­chen Zu­sam­men­le­bens Folge leis­ten. Zum Bei­spiel ist eine Be­set­zung il­le­gal, denn der Be­griff im­pli­ziert einen An­eig­nungs­pro­zess frem­den Ei­gen­tums. Was je­doch er­laubt, was nicht er­laubt ist, wird an an­de­rer Stel­le dis­ku­tiert und ent­schie­den.

Um eine ra­di­ka­le Ge­sell­schafts­kri­tik zu il­le­ga­li­sie­ren bzw. zu de­le­gi­ti­mie­ren wurde der Be­griff des „Ex­tre­mis­mus“ kon­stru­iert. Wer oder was „ex­tre­mis­tisch“ ist, ent­schei­det die je­wei­li­ge Re­gie­rung, bzw. der po­li­ti­sche Main­stream und die Me­di­en­in­dus­trie.

Bei­spiels­wei­se wird es oft als „ex­tre­mis­tisch“ an­ge­se­hen, wenn Men­schen ver­su­chen sich un­ab­hän­gig vom Leis­tungs-​ und Kon­kur­renz­zwang zu or­ga­ni­sie­ren. Die Schaf­fung von Frei­räu­men be­deu­tet eine Al­ter­na­ti­ve zu dem Be­ste­hen­den auf­zu­bau­en. Der Staat, als In­stru­ment zur Auf­recht­er­hal­tung der Be­sitz-​, Pro­duk­ti­ons-​ und Kon­sum­ver­hält­nis­se, muss gegen sol­che Ten­den­zen ar­bei­ten, um seine He­ge­mo­nie zu er­hal­ten. Daher wer­den un­se­re Häu­ser ge­räumt und wir mit Straf­ver­fah­ren über­zo­gen.

Ge­ra­de für Be­trof­fe­ne sind sol­che Ver­fah­ren zer­mür­bend, des­we­gen ist so­li­da­ri­sches Han­deln un­er­läss­lich. Nur wenn wir der Re­pres­si­on ent­schlos­sen ent­ge­gen­tre­ten und da­durch un­se­rem Be­dürf­nis nach Selbst­ver­wa­lung und un­kom­mer­zi­el­len Frei- und Le­bens­räu­men Nach­druck ver­lei­hen, haben wir Aus­sicht auf eine Be­we­gung, die in der Lage ist re­el­len Druck auf­zu­bau­en.

Stand­ort, Stand­ort über alles…

In einer ka­pi­ta­lis­tisch ver­fass­ten Ge­sell­schaft kon­kur­rie­ren auch die Stand­or­te, um die Fir­men, die sich nie­der­las­sen. Ein kon­kur­renz­fä­hi­ger Stand­ort ist dem­nach ein Ort, der für Un­ter­neh­men at­trak­tiv ist. Jede Stadt-​ bzw. Orts­re­gie­rung muss sich also markt­för­mig be­we­gen, um mög­lichst ren­ta­bel zu funk­tio­nie­ren. Man­che Städ­te ver­su­chen über ver­bil­lig­te Büro- und Ge­wer­be­flä­chen at­trak­tiv für be­stimm­te Fir­men zu sein, an­de­re ver­su­chen durch eine mög­lichst gute In­fra­struk­tur Er­fol­ge zu er­zie­len, wie­der an­de­re sen­ken die Steu­ern oder ste­cken ihr Geld in Pres­ti­ge­pro­jek­te wie z.B. das Darm­stadt­i­um.

Diese Ak­tio­nen zie­len dar­auf ab, sich ge­gen­über an­de­ren Städ­te im Kon­kur­renz­kampf zu be­haup­ten. Die Be­dürf­nis­se der Men­schen blei­ben meist auf der Stre­cke. In Darm­stadt äu­ßert sich dies in einem „Woh­nungs­markt“, in dem für eine gut si­tu­ier­te Bür­ger­schaft noch Wohn­raum zu er­wer­ben ist, der meist mit dem Eti­kett „al­ter­na­tiv“ ver­se­hen, viele In­ter­es­sen­ten an­lockt. Statt­des­sen ist es Men­schen mit ge­rin­gem Ein­kom­men nicht mög­lich ihren Wohn­ort frei zu wäh­len. Sie wer­den durch den „so­zia­len“ Woh­nungs­bau an den Stadt­rand ge­drängt. Dar­aus folgt eine Ex­klu­si­on be­stimm­ter so­zia­ler Klas­sen und Be­völ­ke­rungs­chich­ten, die aus be­stimm­ten Stadt­tei­len aus­ge­schlos­sen und ver­drängt wer­den. Da­hin­ter steckt die Ab­sicht, durch ge­ziel­tes An­lo­cken von ein­kom­mens­star­ken Men­schen die Wirt­schaft des Stand­orts Darm­stadt an­zu­kur­beln. Dies hat stei­gen­de Mie­ten bzw. Sa­nie­run­gen von alten So­zi­al­woh­nun­gen zur Folge, und führt dazu, dass sich die meis­ten Men­schen mit „schwa­chem“ Ein­kom­men diese Woh­nun­gen immer we­ni­ger leis­ten kön­nen.

Es ist in der ka­pi­ta­lis­ti­schen Logik nötig Wohn­raum, wie an­de­re Res­sour­cen, knapp zu hal­ten, damit Kon­kur­renz und Wett­be­werb ent­ste­hen kön­nen. Wir wol­len diese Logik nicht hin­neh­men, denn der Ver­such (mehr kann es nicht und nie­mals sein, da jede Ver­än­de­rung in­ner­halb die­ser Ge­sell­schaft immer durch diese be­dingt blei­ben muss) ein Zu­sam­men­le­ben jen­seits ka­pi­ta­lis­ti­scher Zu­rich­tung zu füh­ren, er­scheint loh­nens­wert – sind doch dies die Ver­hält­nis­se und Be­zie­hun­gen, die uns er­nied­ri­gen und un­mün­dig ma­chen.

Da­ge­gen wol­len wir set­zen: Ver­bind­lich­keit, So­li­da­ri­tät und Freund­schaft – zu­sam­men­ge­fasst ein Leben in Ver­hält­nis­sen, die Ver­ant­wort­lich­keit und Kri­tik för­dern und zei­gen, wie ein Zu­sam­men­le­ben auf Grund­la­ge der tat­säch­li­chen Be­dürf­nis­se mög­lich wäre.

Und ein ganz grund­lie­gen­des Be­dürf­nis ist jenes nach Wohn­platz, das sich nicht in „einem Dach über dem Kopf“ er­schöpft, son­dern in der her­ge­stell­ten So­zia­li­tät eben nur ge­sell­schaft­lich be­grif­fen wer­den kann. Also „be­setz­ten“ wir tat­säch­lich Raum, indem wir ver­su­chen, ihn die­sem Um­gang zu ent­zie­hen und einen an­de­ren zu be­för­dern, was für uns be­deu­tet: der Raum steht der Pro­fit­ma­xi­mie­rung nun im Weg und nicht wei­ter zur Ver­fü­gung.

Bens­heim ist eine eher klei­ne Stadt, die aber wegen der vie­len Schu­len und Aus­bil­dungs­be­trie­be eine An­lauf­stel­le für viele Ju­gend­li­che ist. Der ört­li­che Ein­zel­han­del blüht auf­grund die­ser Ge­ge­ben­hei­ten, doch die Stadt ent­zieht sich der Ver­ant­wor­tung, auch für nicht­kom­mer­zi­el­le Räume zu sor­gen, da diese nicht ge­winn­ori­en­tiert wirt­schaf­ten und somit der Stadt keine Steu­er­ei­nah­men ver­spre­chen. Dabei macht ein Jukuz sogar aus kom­mer­zi­el­ler Sicht Sinn, da es Ju­gend­li­che an den Stand­ort Bens­heim bin­den würde, die dann viel­leicht nach Schu­le oder Aus­bil­dung nicht in die Bal­lungs­räu­me Darm­stadt und Frank­furt zie­hen.

Statt­des­sen ar­gu­men­tie­ren die städ­ti­schen Ver­ant­wort­li­chen damit, dass viele Ju­gend­li­che, die sich für ein Jukuz ein­set­zen, nicht aus Bens­heim di­rekt, son­dern aus den um­lie­gen­den Dör­fern und Klein­städ­ten stam­men und des­we­gen kei­nen An­spruch auf ein Ju­gend-​ und Kul­tur­zen­trum, oder eine Dis­kus­si­on dar­über hät­ten. Dass Bens­heim für die meis­ten Ju­gend­li­chen an der Berg­stra­ße Le­bens­mit­tel­punkt und zen­tra­le An­lauf­stel­le dar­stellt, wird in ihrer Ar­gu­men­ta­ti­on nicht be­rück­sich­tigt und zeigt nur ein­mal mehr, wie weit ent­fernt die Ju­gend­po­li­tik der Stadt von der rea­len Si­tua­ti­on der Ju­gend­li­chen ist.

Des­halb wer­den wir un­se­ren For­de­run­gen nach selbst­or­ga­ni­sier­ten Frei­räu­men er­neut Nach­druck ver­lei­hen und rufen dazu auf, sich an der De­mons­tra­ti­on am 18.​09.​2010 in Bens­heim und an der De­mons­tra­ti­on am 16.​10 in Darm­stadt zu be­tei­li­gen, um deut­lich zu ma­chen, was wir von der Stadt und ihrer Po­li­tik hal­ten. Für mehr selbst­or­ga­ni­sier­te Frei­räu­me in Bens­heim, Darm­stadt und über­all!

Demo in Bens­heim
18.​09, 14:00 Uhr Bens­heim Bahn­hof
→ juzmaraldo.​blogsport.​de

Demo in Darm­stadt
16.​10, 17:00 Uhr Darm­stadt Haupt­bahn­hof
→ neckar5.​blogsport.​de

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No Borders – Solishow in Würzburg am 3.7. http://AAMSP.blogsport.de/2010/06/30/no-borders-solishow-in-wuerzburg-am-3-7/ http://AAMSP.blogsport.de/2010/06/30/no-borders-solishow-in-wuerzburg-am-3-7/#comments Wed, 30 Jun 2010 18:52:45 +0000 Administrator Archiv http://AAMSP.blogsport.de/2010/06/30/no-borders-solishow-in-wuerzburg-am-3-7/ Einlass: 20.00 Uhr | Beginn: 20.30Uhr | Eintritt: : 6 €

mit:
Nihil Baxter (feinster Trash-Hardcore aus Stuttgart), Bob Rooney (Trash-HC-Punk Knüller aus Neustadt), On Your Marx (melodic HC-Punk aus Würzburg), Mid Air Collision (Punkbombe aus Schweinfurt City)

im B-Hof in Würzburg.

der gesamte Erlös kommt den Flüchtlingen aus der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft zugute. Diese müssen in einer Militärkaserne aus den 30er Jahren am Stadtrand wohnen, sich mit bis zu 40 anderen Leuten eine Toilette teilen, stehen zumeist unter Residenzpflicht, bekommen nur Essenspakete und werden zu allem Überfluss noch mit der Abschiebung bedroht.
Wir freuen uns auf zahlreiche Besucher und ne fette Show…. für den Hunger ist auch gesorgt: gibt lecker veganes Essen!

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Jede Feier der Nation… http://AAMSP.blogsport.de/2010/06/06/jede-feier-der-nation/ http://AAMSP.blogsport.de/2010/06/06/jede-feier-der-nation/#comments Sun, 06 Jun 2010 18:54:15 +0000 Administrator Archiv http://AAMSP.blogsport.de/2010/06/06/jede-feier-der-nation/ .. ist ein Angriff auf das schöne Leben.

Er geht wieder los, der nationale Taumel. Wer die Scheiße nicht mitmachen will, und sich außerdem ein wenig dagegen engagieren will, könnte sich hierfür interessieren: http://fahnenflucht.blogsport.eu/

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CC-Vortrag am Mittwoch! http://AAMSP.blogsport.de/2010/05/16/cc-vortrag-am-mittwoch/ http://AAMSP.blogsport.de/2010/05/16/cc-vortrag-am-mittwoch/#comments Sun, 16 May 2010 18:14:05 +0000 Administrator Archiv http://AAMSP.blogsport.de/2010/05/16/cc-vortrag-am-mittwoch/

Am Mittwoch vor der Demonstration in Coburg werden Referent_innen des Aktionsbündnis gegen den Coburger Convent im Kult über Studentenverbindungen und die Kritik daran im Allgemeinen, und über den Coburger Convent im Besonderen einen Vortrag halten.
Kommt alle, bildet euch, andere, und Banden.

Es ist ein weiterer Aufruf für die Aktivitäten gegen den CC erschienen, den ihr HIER einsehen könnt.

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Am 22. auf nach Coburg! http://AAMSP.blogsport.de/2010/05/03/fuer-den-cc-pfingstkongress-brauchen-wir-keine-einladung/ http://AAMSP.blogsport.de/2010/05/03/fuer-den-cc-pfingstkongress-brauchen-wir-keine-einladung/#comments Sun, 02 May 2010 23:07:15 +0000 Administrator Archiv http://AAMSP.blogsport.de/2010/05/03/fuer-den-cc-pfingstkongress-brauchen-wir-keine-einladung/ gemeinsame Zuganreise:

Würzburg Hbf ab 10:36 Gleis 10
Schweinfurt Hbf ab 11:03 Gleis 6
Bamberg ab 11:41 Gleis 4
Coburg an 12:29 Gleis 1

Der jährliche Pfingstkongress des Coburger Convents, dem größten Dachverband von Studentenverbindungen, steht bevor.


Hier der Aufruf:

Der Coburger Convent…

…ist ein Zusammenschluss von rund 100 mensurfechtenden Turner- und Landsmannschaften, deren deutsche oder österreichische Mitglieder stets männlich und deutsch-national sind. Entgegen der landläufigen Meinung sind die Verbindungen nicht nur Zusammenschlüsse um Studenten bei einem erfolgreichen Studium zu unterstützen. Sie sind vielmehr Hort konservativer bis rechter Meinungsbildung, Elitenreproduktion, von Männlichkeitsritualen und völkischem Nationalismus.

…ist elitär und hierarchisch.

Mitglieder studentischer Korporationen im allgemeinen, und so auch des CC, verstehen sich selbst als Angehörige der deutschen Elite. Sie nehmen eine Einordnung von Menschen in ein Besser-Schlechter-Schema vor und orientieren sich dabei an Begriffen wie „Leistungselite“. Sie wollen konservativ eingestellte Führungskräfte bzw. „national gesinnte Menschen in alle führenden Berufe unserer Gesellschaft“ schicken (Manfred Kanther, ehem. Bundesinnenminister und Korporierter im KSCV). Natürlich wird nicht jeder in einer Verbindung gleich Vorstandsvorsitzender eines DAX-Konzerns. Aber Verbindungen werben mit guten Netzwerken für Karriere in Wirtschaft und Politik. Wer sich einer Verbindung anschließt, um es in der bestehenden Gesellschaft zu etwas zu bringen, muss sich den alten Herren anbiedern und sich ihren Leitbildern anpassen. Das bedeutet insbesondere, den Umgang mit strengen Hierarchien zu erlernen und sich dem Konservatismus unterzuordnen. Hinzu kommen Rituale, die bestimmen wann man reden und pinkeln darf und letztendlich nur dazu dienen, im Kapitalismus benötigte „Tugenden“ wie Gehorsam und Konformität einzuschärfen. Wer nun oft genug gehört hat, er sei Elite, glaubt es irgendwann. Es stellt sich eine Geringschätzung für nicht Korporierte ein: Frauen, Migrant_Innen, Arbeiter_Innen, etc.

…ist sexistisch und reaktionär

Auch im Bezug auf das Frauenbild bleibt sich der CC treu – das Elitedenken geht weiter. Als Grundlage unterteilt der Verband in ein klar abgegrenztes Mann/Frau-Geschlechterverhältnis mit fest zugeschriebenen Rollen. Der Mann ist ritterlich, die Frau eine Art schmückendes Beiwerk. Die Verbindungen sollen »gleichgeschlechtliche Enklave« sein, womit nicht nur Frauen sondern auch Menschen, die sich nicht in ein klares Geschlechterschema einordnen lassen wollen, klar ausgegrenzt werden. Einerseits hegt der CC den Anspruch, „Führungskräfte“ auszubilden. Andererseits möchte er das in der eben erwähnten »gleichgeschlechtliche Enklave« tun. Zu diesem patriarchalen Rollenbild gesellt sich noch ein strikt heteronormativer Wertekanon und ein ausgeprägter Männlichkeitswahn. In Ritualen wie der „Mensur“ und den unzähligen Trink-Variationen manifestiert sich dieser eindrucksvoll. Hinsichtlich ihrer identitätsstiftenden Praktiken können Korporationen als quasi-paramilitärisch bezeichnet werden.

…ist völkisch und traditionalistisch

„Ehre, Freiheit, Vaterland“ ist auf dem sogenannten Ehrenmal des CC zu lesen. Hinter der teilweise gutbürgerlichen Fassade des CC verbergen sich Abgründe des deutschen Konservatismus und eine Scharnierfunktion zur neuen Rechten. Kontakte zu Organen der neuen Rechten, z.B. der Internetplatform „Blaue Narzisse“, gehören ebenso dazu wie enge Kontakte zur deutschen Burschenschaft, die als klar rechts und nationalistisch einzustufen ist. Mit letzterer ist der CC in verschiedenen Dachverbänden organisiert – beispielsweise im Convent Deutscher Akademikerverbände oder lokal in verschiedenen Waffenringen. Und auch sonst bemüht er sich nicht um Abgrenzung. Der Vaterlandsbegriff des CC ist auf das sogenannte „Volkstum“ bezogen – so können sich auch österreichische Verbindungen als deutsch fühlen. Das klingt harmlos, zumal uns Deutschland herzlich egal ist, bedeutet aber letztendlich nichts anderes als den Wunsch der Verbindungen nach einem größeren Deutschland. Wie früher eben – das ist alles, aber nicht harmlos.

Wir wollen…

…dem Convent unsre eigenen Werte entgegen setzen. Im Unterschied zum CC haben wir den Anspruch alles dogmatische möglichst zu vermeiden und zu hinterfragen. Wir plädieren gegen versteinerten Traditionalismus und seine Rituale. Niemals werden wir uns auf Herrschaft um ihrer selbst Willen einlassen sondern diese wo es geht bekämpfen. Statt der institutionalisierten Seilschaften, die sich in Verbindungen als Freundschaft darzustellen versuchen, wollen wir lebendige Dynamik und Solidarität in der Gesellschaft. Was wir wollen, sind keine vom wirtschaftlichen und politischen System diktierte Verpflichtungen und kein Leistungsdenken, welches wir uns nicht selbst auferlegen. Lasst uns widerständisch und undogmatisch sein!

…keine Führer!

Unser Weltbild ist egalitär. Daher gilt es für uns, die zufälligen Unterschiede in Geburt, Herkunft oder die dem Kapitalismus geschuldeten Zugehörigkeiten zu gesellschaftlichen Gruppen eben nicht zu verstärken wie es der CC praktiziert, sondern sie so weit es geht auszugleichen. Unsere Antwort ist Solidarität und nicht ein autoritärer Staat. Militärische Gleichmacherei wie in den Verbindungen lehnen wir aber ab. Es muss immer Platz für Idividualität und alternative Lebensentwürfe geben. Daher ist eine befreite Gesellschaft eine ohne Herrscher, ohne selbsternannte Eliten und ohne ein alles bestimmendes, kapitalistisches Herrschaftssystem. Freies Denken, freie Bildung und freies Handeln sind mehr als bloße Worthülsen. Eine Worthülse wird die Freiheit dann, wenn ein von Grund auf hierarchischer Haufen wie der CC sich ihrer zu bemächtigen sucht.

…einen kritischen Diskurs!

Einen kritischen Diskurs zu etablieren, der sich gegen den im CC verbreiteten Sexismus, Nationalismus und Elitarismus richtet, ist unserer politisches Ziel. Wir stellen dem CC vor allem eines Entgegen: Unser progressives Weltbild! Und damit es auch in der Gesellschaft ankommt, tun wir einiges: Wir demonstrieren, agitieren und diskutieren. Und das geht nicht ohne euch.

…einen starken Protest!

Der CC trifft sich seit über 100 Jahren jedes Jahr zu seinem wichtigsten identitätsstiftenden Ereignis, dem Pfingstkongress. Auf diesem führen die Korporierten unter anderem ein extrem revisionistisches Heldengedenken durch, treten an zu einem schaurigen Fackelmarsch und gehen ansonsten ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: dem Bier Saufen. Der deutsche Mob mit akademischer Bildung. Wer rechten Konsens in Aktion sehen will, ist beim Pfingstkongress richtig. Wir rufen euch dazu auf, bei den diesjährigen Aktionen gegen den Pfingstkongress des Coburger Convent teilzunehmen. Wie schon letztes Jahr wird es vielfältigen Protest geben. Eine Demo, verschiedene Kundgebungen und dieses Jahr auch Konzerte und Workshops. Informiert euch, bildet Banden und kommt nach Coburg. Seid kreativ und entschlossen in eurem Protest und zeigt den Burschen, was ne’ Linke ist! Heraus gegen den Coburger Convent!

Beteiligt euch an den Aktionstagen vom 22.05.10 – 25.05.10!

Infos: http://coburgerconvent.blogsport.de/

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http://AAMSP.blogsport.de/2010/05/03/fuer-den-cc-pfingstkongress-brauchen-wir-keine-einladung/feed/
1. Mai: Bomb the Whole Train! http://AAMSP.blogsport.de/2010/03/09/1-mai-bomb-the-whole-train/ http://AAMSP.blogsport.de/2010/03/09/1-mai-bomb-the-whole-train/#comments Tue, 09 Mar 2010 15:41:22 +0000 Administrator Archiv http://AAMSP.blogsport.de/2010/03/09/1-mai-bomb-the-whole-train/

Der Würzburger „AK Maifeuer“ hat seine Mobi zum 1. Mai in Schweinfurt gestartet. Um auf die Mobiseite zu gelangen, einfach auf das Banner oben klicken. Hier der Aufruf:

Ka­pi­ta­lis­mus und Lohnar­beit ab­schaf­fen! – Na­zi­auf­marsch zer­le­gen!

Auch die­ses Jahr mo­bi­li­sie­ren Neo­na­zis wie­der zu di­ver­sen Auf­mär­schen an­läss­lich des 1.​Mai. Dies neh­men die Nazis als An­lass für einen an­geb­lich an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­schen na­tio­na­len Kampf­tag der Ar­bei­te­rIn­nen nach Schwein­furt zu mo­bi­li­sie­ren. Doch schon al­lei­ne in der Be­griff­lich­keit zwi­schen An­ti­ka­pi­ta­lis­mus und Na­tio­na­lem So­zi­al­staat las­sen sich nicht über­seh­ba­re in­hal­ti­che Dif­fe­ren­zen aus­ma­chen.

Na­tio­na­ler Ar­bei­ter_in­nen­kampf­tag?

Die welt­wei­te wirt­schaft­li­che Krise hat mehr oder we­ni­ger neue Den­k­an­stös­se in der neo­na­zis­ti­schen Rech­ten zu Tage ge­för­dert bzw. re­ak­ti­viert. So steht im Auf­ruf der Nazis zum 1.​Mai ins ver­ach­tens­wer­te Schwein­furt, dass nur das Kon­strukt des Na­tio­nal­staa­tes al­lei­ne der Ord­nungs­rah­men für so­zia­le Ge­rech­tig­keit sei. Die­sem soll nach deren Auf­fas­sung der „Raub­tier“-​Ka­pi­ta­lis­mus zer­stö­re­risch ge­gen­über ste­hen, der die na­tür­lich ge­wach­se­ne Volks­ge­mein­schaft zer­stö­re. Ins­ge­samt stel­le die prak­ti­zier­te Volks­ge­mein­schaft den klas­sen­über­grei­fen­den Auf­stand aller Deut­schen gegen das dar, was ihnen als Ka­pi­ta­lis­mus gilt. In den Ideo­lo­gi­en wird von Na­zi­sei­te wei­ter­hin die schaf­fen­de, deut­sche Ar­beit in Stel­lung gegen die raf­fen­de Pro­fit­gier, „Zins­knecht­schaft“ und Zir­ku­la­ti­onss­phä­re ge­bracht. Sie zei­gen sich hier­mit in der Per­so­ni­fi­ka­ti­on von ge­sell­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen, wie sie sich in den Reden von „ge­wis­sen­lo­sen Spe­ku­lan­ten“, „Heu­schre­cken“ und „jü­di­schem Fi­nanz­ka­pi­tal“ aus­drückt. Durch die Schaf­fung einer Volks­ge­mein­schaft sehen sie die ka­pi­ta­lis­ti­schen Klas­sen­ge­gen­sät­ze auf­ge­ho­ben und die „na­tür­li­che Wirt­schaft“ wie­der­her­ge­stellt. In Deutsch­land for­mier­te sich die völ­ki­sche Na­ti­on be­reits lange vor der Exis­tenz eines deut­schen Staa­tes. Des­halb ist das ideo­lo­gi­sche Grund­ge­rüst auch pri­mär ein Völ­ki­sches. Dies äu­ßert sich in einer bio­lo­gisch de­fi­nier­ten Volks­zu­ge­hö­rig­keit zu einem ima­gi­nä­ren or­ga­ni­schen Ge­bil­de und einem Bezug auf ge­mein­sa­me Kul­tur, Spra­che und Ge­schich­te. Deut­scheR könne die­sem Ver­ständ­nis nach nur sein, wer auch „deut­schen Blu­tes“ sei.

Raf­fen­des Ka­pi­tal? Halts Maul Kraut!

Die oben an­ge­führ­ten Kampf­be­grif­fe, die von den selbst­er­nann­ten „Na­tio­na­len So­zia­lis­ten“ auch in ihrem Auf­ruf für den 1.​Mai gegen den Ka­pi­ta­lis­mus ins Feld ge­führt wer­den, sind an sich schon evi­dent für den Haupt­as­pekt ihrer Kri­tik: die Tren­nung in „raf­fen­dens“ und „schaf­fen­des“ Ka­pi­tal. Unter den Ter­mi­nus „raf­fen­des Ka­pi­tal“ wer­den von den rech­ten An­ti­ka­pi­ta­lis­t_in­nen dann Ad­jek­ti­ve wie gei­zig, pa­ra­si­tär, ar­beits­scheu, und eben auch jü­disch sub­su­miert. Dem ge­gen­über werde das „gute schaf­fen­de Ka­pi­tal“ von ers­te­rem aus­ge­beu­tet und un­ter­drückt, der gut ar­bei­ten­de Deut­sche leide also unter der Über­macht der „Bon­zen“. Eine sol­che Ar­gu­men­ta­ti­on zeugt nicht nur von man­geln­dem Ver­ständ­nis der kom­ple­xen Zu­samm­hän­ge des ka­pi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­pro­zes­ses, son­dern zeigt auch auf, wie hier Sün­den­bö­cke für nicht ver­stan­de­ne Be­stand­tei­le der Ver­hält­nis­se, wie z.B. Wa­ren-​ und Ka­pi­tal­fe­tisch, ge­sucht und ge­fun­den wer­den. Und wer kennt es nicht, die Szene am all­abend­li­chen Stamm­tisch, wo der stol­ze Deut­sche gegen „die da oben“ hetzt und die „Bon­zen“ ver­teu­felt. Dass solch ver­kürz­te Ka­pi­ta­lis­mus­kri­tik und eben auch An­ti­se­mi­tis­mus in der bür­ger­li­chen Ge­sell­schat flä­chen­de­ckend auf Zu­stim­mung sto­ßen, zeigt die An­schluss­fä­hig­keit ei­ni­ger As­pek­te des An­ti­ka­pi­ta­lis­mus der Nazis deut­lich auf. Ein not­wen­di­ges Ver­ständ­nis über den Ka­pi­ta­lis­mus als aper­so­na­les Ver­hält­nis ist nicht zu­letzt auch bei der deut­schen Lin­ken sel­ten genug an­zu­fin­den.
Das Wesen des Ka­pi­ta­lis­mus ist immer und über­all auf so­zia­le Un­gleich­heit und Aus­beu­tung aus­ge­rich­tet. Das Ge­heim­nis des ka­pi­ta­lis­ti­schen Aus­beu­tungs­ver­hält­nis, die Lohnar­beit als freie Form der Zwangs­ar­beit, wird bei allem Ge­schrei über gie­ri­ge Ma­na­ger_in­nen und Bän­ker_in­nen von den „Na­tio­na­len So­zia­lis­ten“ nicht nur igno­riert, son­dern im Ge­gen­teil sogar ge­fei­ert.

1.​Mai?! Lohnar­beit ab­schaf­fen an­statt ab­fei­ern!

Des­wei­te­ren igno­rie­ren die Neo­na­zis kon­se­quent die ur­sprüng­li­che Ge­schich­te des 1.​Mai. Der His­to­ri­sche Be­ginn des Ar­bei­te­rIn­nen­kampf­ta­ges war der 1. Mai 1886. In Chi­ca­go kam es in Folge der blu­ti­gen Nie­der­schla­gung eines Streiks zu mehr­tä­gi­gen Stra­ßen­schlach­ten zwi­schen Staats­macht und Ar­bei­te­rIn­nen. Wer nun aber meint, dass der 1. Mai, also der tra­di­tio­nel­le Tag der Ar­bei­te­rIn­nen, mit eman­zi­pa­to­ri­schen In­hal­ten be­legt sei, irrt. Der Tag der Ar­beit glänzt seit jeher durch Ver­herr­li­chung von Ar­beit und fal­scher, teils struk­tu­rel­ler bis sogar offen an­ti­se­mi­ti­scher Ka­pi­ta­lis­mus­kri­tik. Viel­mehr zeigt sich am Bei­spiel der Ge­schich­te des 1. Mai die Un­fä­hig­keit zu um­fas­sen­der Kri­tik an Staat, Ar­beit und Na­ti­on. Der Ruf, der durch alle po­li­ti­schen Lager hallt, ist der nach mehr Ar­beit. Ob die­ser von Ge­werk­schaft oder Staat kommt, ist dabei völ­lig da­hin­ge­stellt. Beide kämp­fen für einer Feier, die den Men­schen in den ka­pi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­sen als ver­wert­bar er­schei­nen las­sen, näm­lich in der Be­reit­schaft die ei­ge­ne Ware Ar­beits­kraft auf einem frei­en Markt an­bie­ten zu kön­nen. Dabei wird nicht be­rück­sich­tigt, dass die ste­tig stei­gen­den Ar­beits­lo­sen­zah­len und die immer pre­kä­rer wer­den­den Ar­beits­ver­hält­nis­se nur eine lo­gi­sche Kon­se­quenz der Ra­tio­na­li­sie­rung von Pro­duk­ti­ons­pro­zes­sen sind. An­statt je­doch einen end­gül­ti­gen Bruch mit dem Sys­tem der Lohnar­beit ein­zu­for­dern, wurde z.B. mit Harz IV, der Lohnar­beit wil­len, ein mo­der­nes Zwangs­ar­beits­sys­tem in­stal­liert. Lohn­ab­hän­gi­ge tra­gen in ers­ter Linie ihre Ar­beits­kraft nicht des­we­gen zu Mark­te, weil sie sich nichts an­de­res wün­schen wür­den, son­dern weil sie schlicht keine an­de­re Wahl haben, der „stum­me Zwang“ zur Lohnar­beit, d.h. zum Ver­kauf sei­ner/ihrer Ar­beits­kraft, ist all­ge­gen­wär­tig. Geld­er­werb in die­ser Ge­sell­schaft geht nur über Ar­beit, und Geld braucht man in die­ser Ge­sell­schaft für na­he­zu alles. Also brau­chen und wol­len alle Ar­beit und ob das dann Spaß macht oder nicht, ist eher zweit­ran­gig. Die Ar­beit als die Pla­cke­rei, wie die Ver­gan­gen­heit sie ein­zig kennt, wird kaum mehr in Frage ge­stellt. Die Ar­beit ist An­nah­me eines jedem Men­schen deren Ho­ri­zont die To­ta­li­tät der Wa­ren­ge­sell­schaft ist. Selbst die ra­di­ka­le Linke hin­ter­fragt nicht die ei­ge­ne Ra­di­ka­li­tät, die nicht darin liegt, die Ar­beit zu ne­gie­ren.

Die Schei­ße ben­e­nnen…

Wir leben in einer bür­ger­lich-​ka­pi­ta­lis­ti­schen Ge­sell­schaft, in der Staat und Ka­pi­tal unser Leben ins kleins­te De­tail durch­drin­gen und for­men. Alle im Ka­pi­ta­lis­mus pro­du­zier­ten Güter wer­den zum Tausch her­ge­stellt, und sind damit Waren. Diese Pro­duk­ti­ons­form un­ter­wirft folg­lich alles dem Tausch­prin­zip und macht so die Wa­ren­för­mig­keit zum ein­zi­gen Gül­ti­gen Prin­zip der Ge­sell­schaft. Damit ein Tausch der Waren al­ler­dings über­haupt erst statt­fin­den kann, braucht es eine Ware die sich gegen die sich alle Waren tau­schen las­sen: Das Geld. Es drückt den Wert der je­wei­li­gen Ware aus und wird zum all­ge­mei­nen Tau­sch­äqui­va­lent, mit dem sich jede Ware gegen eine an­de­re tau­schen lässt. In den oben be­schrie­be­nen ge­sell­schaft­li­chen Auf­bau tre­ten die Men­schen als ver­ein­zel­te Sub­jek­te in Kon­takt. Ei­ner­seits ist es die Ohn­macht und Ver­ein­zelung der ent­frem­de­ten Ar­bei­ter­sub­jek­te in der ka­pi­ta­lis­ti­schen Klas­sen­ge­sell­schaft. An­de­rer­seits han­delt es sich um einen Be­griff, der Aus­druck des im Ka­pi­ta­lis­mus herr­schen­den Kon­kur­renz­ver­hält­nis ist, von dem alle Men­schen be­trof­fen sind. Im Zwang der Kon­kur­renz ist jeder auf sich selbst ge­stellt: Die Lohnar­beit stellt die täg­li­che Re­pro­duk­ti­on der ei­ge­nen Ent­frem­dung dar und ist gleich­zei­tig Aus­druck des Kamp­fes um das täg­li­che Brot. Eine Ge­sell­schaft, die von Ent­frem­dung und so­zia­ler Kälte be­herrscht wird, in der Men­schen über an­de­re Men­schen re­gie­ren, und in der die po­li­ti­sche Ohn­macht der In­di­vi­du­en durch das Spek­ta­kel des Kon­sum­wahn­sinns er­stickt wird. Eine Ge­sell­schaft, die Tag für Tag Men­schen ins Elend stürzt, auf die Stra­ße setzt, aus­grenzt, ab­schiebt und in Ge­fäng­nis­se steckt.
Ein grund­le­gen­des Fun­da­ment eben die­ser Ge­sell­schaft lässt sich im Staat er­ken­nen. Der Staat ist weder ein­fach das In­stru­ment „der Herr­schen­den“ noch ein Werk­zeug für ge­sell­schaft­li­che Ver­än­de­rung. Der Staat, als Funk­ti­ons­zu­sam­men­hang, ist eben der Staat des Ka­pi­tals, da er als Ge­walt­mo­no­pol die ka­pi­ta­lis­ti­sche Ei­gen­tums­ord­nung auf­recht er­hält sowie ver­wal­tet. Er lie­fert den ju­ris­ti­schen Rah­men des Elends der meis­ten Men­schen im Ka­pi­ta­lis­mus. Jede Ver­än­de­rung mit und durch den Staat führt ganz ein­fach zu einer Ma­ni­fes­tie­rung der Ka­pi­tal­ver­hält­nis­se und eben zu kei­ner Ver­än­de­rung wie es von einer Links­par­tei er­hofft wird.

Gegen jeden Ex­tre­mis­mus?

Was von der bür­ger­li­chen Seite für den 1.​Mai in Schwein­furt zu er­war­ten ist dürf­te ab­zu­se­hen sein. Soll­te es nach der Bür­ger­initia­ti­ve Pro Schwein­furt gehen, würde es eine Ver­an­stal­tung gegen jeg­li­che Art von Ex­tre­mis­mus geben. Als grund­le­gen­des Ar­gu­ment dient dabei immer der Ver­weis auf den Ex­tre­mis­mus­be­griff, der „Links­ex­tre­me“ völ­lig zu­sam­men­hang­los mit „Rechts­ex­tre­men“ gleich­ge­setzt. Hier­für wer­den in­halt­li­che Un­ter­schie­de zu guns­ten der an­geb­lich po­li­ti­schen „Mitte“ völ­lig aus­ge­blen­det. Zudem wird ra­di­kal linke Ge­sell­schafts­kri­tik und an­ti­fa­schis­ti­scher Wi­der­stand mit den Ideo­lo­gi­en der Nazis als ein und der­sel­be Pro­blem­fall ge­nannt. Eine Dif­fe­ren­zie­rung nach Ein­stel­lun­gen und po­li­ti­schen Zie­len er­folgt also nicht. Durch den „Ex­tre­mis­mus“ soll eine Be­dro­hung der Ge­sell­schaft vor­lie­gen. Die bür­ger­lich ka­pi­ta­lis­ti­sche Mitte die­ser Ge­sell­schaft soll sich von die­sen Ex­tre­men klar ab­gren­zen. Ver­kannt wird je­doch das rech­te Ideo­lo­gi­en wie Ras­sis­mus, An­ti­se­mi­tis­mus, Na­tio­na­lis­mus sowie se­xis­ti­sche Rol­len­ein­tei­lun­gen Basis der an­geb­li­chen po­li­ti­schen Ver­nunft, also der bür­ger­lich ka­pi­ta­lis­ti­schen Ge­sell­schaft ist. Die­ser Ex­tre­mis­mus­be­griff wird von der brei­ten Be­völ­ke­rung mit­ge­tra­gen. Nach der Logik der „Ex­tre­mis­mus­for­mel“ gilt es, den de­mo­kra­ti­schen Rechts­staat gegen po­li­ti­sche Ex­tre­me zu ver­tei­di­gen. Wir hin­ge­gen soll­ten den men­schen­feind­li­chen bür­ger­li­chen Staat als das ben­ne­nen was er ist und die kon­kre­ten Wi­der­sprü­che auf­zei­gen.

Na­zi­auf­marsch sa­bo­tie­ren!

Da wir uns als an­ti­fa­schis­ti­sche, ra­di­ka­le Linke ver­ste­hen, ist uns die Ver­hin­de­rung des für den 1.​Mai ge­plan­ten Na­zi­auf­mar­sches eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Al­ler­dings ist uns dies nicht genug. Viel­mehr müs­sen not­wen­di­ger­wei­se die ideo­lo­gi­schen In­hal­te einer Ge­sell­schaft re­flek­tiert wer­den, die es die­sen Grup­pen erst er­mög­li­chen Fuß zu fas­sen. Auch aus die­sem Grund leh­nen wir eine Zu­sam­men­ar­beit mit bür­ger­li­chen Grup­pie­run­gen und Or­ga­ni­sa­tio­nen ab, die diese Ideo­lo­gi­en trotz ihrer pro­pa­gier­ten Ab­leh­nung ge­gen­über den Nazis noch immer re­pro­du­zie­ren und die men­schen­ver­ach­ten­den Ver­hält­nis­se be­ja­hen. Dem völ­ki­schen, stand­ort­na­tio­na­lis­ti­schen Kon­sens der bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft ist die Vi­si­on einer klas­sen­lo­sen und be­frei­ten Ge­sell­schaft ent­ge­gen­zu­stel­len. Diese er­for­dert na­tür­lich die Ab­schaf­fung von Na­ti­on, Volk und Ka­pi­ta­lis­mus. Des­halb her­aus zum 1.​Mai nach Schwein­furt. Den Na­zi­auf­marsch blo­ckie­ren und mit de­zen­tra­len Ak­tio­nen ent­ge­gen­tre­ten. Ein Round-​Hou­se-​Kick die Pflicht.

- Ka­pi­ta­lis­mus und Lohnar­beit ab­schaf­fen! – Für die be­frei­te Ge­sell­schaft!

AK MAI­FEU­ER im März 2010

Des­wei­te­ren haben die Nazis vom Frei­en Netz Süd einen wei­te­ren Auf­marsch für den 1.​Mai 2010 in Würz­burg an­ge­mel­det. Da der Auf­marsch zu un­ter­schied­li­chen Zei­ten an­ge­mel­det ist kann er­war­tet wer­den das sie um 13 Uhr in Schwein­furt und nach­fol­gend um 15 Uhr in Würz­burg mar­schie­ren wer­den. Falls dies der Fall sein soll­te wer­den wir die In­fra­struk­tur so ver­su­chen be­reit­zu­stel­len, so­dass eine Ver­hin­de­rung bei­der Auf­mär­sche mög­lich wäre. Über Neu­ig­kei­ten hal­ten wir euch auf den lau­fen­den!

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Und alle gegen Nazis… http://AAMSP.blogsport.de/2010/02/16/und-alle-gegen-nazis/ http://AAMSP.blogsport.de/2010/02/16/und-alle-gegen-nazis/#comments Tue, 16 Feb 2010 17:33:23 +0000 Administrator Archiv http://AAMSP.blogsport.de/2010/02/16/und-alle-gegen-nazis/ Ein guter Beitrag der antifaschistischen Gruppe Freiberg, der den 13.2. in Dresden kritisch refklektiert:

Der Trauermarsch der JLO, der größte Aufmarsch von Nazis europaweit, wurde verhindert. Anteil daran hatte nicht die von Dresdens Oberbürgermeisterin initiierte Menschenkette, wie zum Teil in Medien zu lesen ist, sondern die breite Mobilisierung der Bündnisse „Dresden Nazifrei“ und „no pasaran“. Wenn Antifaschist_innen nun „Dresden“ abfeiern und zur „Siegesdemo“ strömen, wenn Dresden als „Bollwerk gegen Rechts“ bezeichnet wird, dann ist es höchste Zeit für Kritik.

Wer blockiert da wen? Und warum?

Die Mobilisierung zu den Blockaden war auf breite Bündnisse angelegt gewesen, mit dem Ziel möglichst viele Menschen gewinnen zu können und dem Kalkül durch eine große Masse es den Nazis unmöglich zu machen zu marschieren – ein Kalkül, das auch aufgegangen ist. In Kauf genommen werden musste dabei ein Aufweichen der Inhalte, ein kleinster gemeinsamer Nenner sozusagen, der sich im irgendwie gegen Nazis sein erschöpfte und darin Antifa, Gewerkschaften, Parteien, Friedensbewegte, Prominente, Künstler_innen und andere Aktivbürger_innen einte. Gesagt wurde schließlich, DASS es sich den Nazis entgegenzustellen gelte, nicht aber, WESHALB. Zu benennen wären allerdings notwendigerweise Ziele und damit verbunden eine tatsächliche Auseinandersetzung mit Mitteln, wie Blockaden sie darstellen. Was wurde nun also in Dresden erreicht? Dazu erstmal eine Bestandsaufnahme.

Wenn die „ag no tears for krauts“ in ihrem polemischen Text „Volksgemeinschaft gegen rechts?“ schreibt, dass in Dresden „Neonazis, die gesamtgesellschaftlich vollkommen marginalisiert sind, ihre Rolle als Stichwortgeber der deutschen Politik längst verloren haben, den gesellschaftlichen Trends mühsam hinterherhecheln und von einer Machtübernahme so weit entfernt sind, wie ein Rehpinscher von einer Kaktusfliege, in […] einer Art überdimensioniertem Familientreffen durch die Stadt [ziehen]“(1), ist damit Richtiges gesagt. Die Gefahr, die von Neonazis ausgeht, darf nicht unter-, aber auch nicht überschätzt werden und dazu ist eine klare und differenzierte Analyse notwendig. In sächsischen Dörfern, in denen Jugendklubs von Rechten dominiert und Inder durch Straßen gehetzt werden, in denen linkes Engagement von Bürgermeister_innen unterbunden wird und Nazis tagtäglich nicht nur eine konkrete Gefahr für Leib und Leben für Migrant_innen, Obdachlose, Punks oder andere nicht-rechte Jugendliche darstellen, sondern – was nicht minder gefährlich ist – durch ihre hegemoniale Rolle auch für die Institutionalisierung von menschenverachtenden Gedankengut sorgen, muss anderes reagiert werden, als etwa in Dresden am 13. Februar. Zwar gibt es auch in Dresden Stadtgebiete, wo Nazis gar nicht so marginal auftreten – das zeigen Angriffe auf linke Projekte und rechts motivierte Übergriffe –aber dem stellte man sich am 13. Februar nicht entgegen.

Verhindert wurde in Dresden lediglich der Trauermarsch der JLO und damit wahrscheinlich vielen Nazis ordentlich der Tag vermiest. Gefahr für Leib und Leben gab es trotzdem, als nämlich 2000 Nazis plötzlich im Hechtviertel unterwegs waren, oder als am Abend etwa 200 Nazis in Pirna das SPD-Büro und die Räumlichkeiten des Kulturbüro Sachsen angriffen. Was den Nazigroßaufmarsch seit Jahren gefährlich macht, sind diese Aktivitäten um ihn herum, sowie die An- und Abreise von tausenden Nazis. Der Trauermarsch an sich verlief hingegen meist friedlich, schließlich geht es den Nazis dort vor allem um ein würdevolles Gedenken und Auftreten. Es mag kein schöner Anblick sein, tausende Nazis durch die Straßen laufen zu sehen, aber das ist es nicht, wogegen man intervenieren muss.

Ihre Anschlussfähigkeit haben die Nazis mittlerweile verloren; selbst die CDU-Oberbürgermeisterin will sie nicht mehr haben und initiierte eine Menschenkette, die sich zwar in extremismustheoretischer Form gegen den vermeintlichen Missbrauch des Gedenkens richtete und auch in Abgrenzung an linke Gegenproteste gedacht war, aber dennoch, und das muss man anerkennen, hauptsächlich eine symbolische Gegenaktion zum Trauermarsch war. Der Trauermarsch stößt also auf große Ablehnung, ist schlecht für das Image der Stadt und wird deswegen von Politik und Presse bekämpft. Er ist insofern irrelevant, als dass er seine Symbolwirkung für die Naziszene wohl auch trotz Blockaden erfüllt und die dahinter stehende Ideologie die selbe bleibt, unabhängig davon, ob die Nazis ein paar Kilometer laufen, oder ein paar Stunden frieren.

Hier zeigt sich die Schwachstelle der möglichst breiten Mobilisierung. Mit dem Verzicht auf eine inhaltliche Kritik entledigte man sich dem Werkzeug, mit dem einzig gegen Nazis und die ihnen (und nicht nur ihnen) zugrunde liegenden Ideologien agiert werden kann. Denn Nazis sind deshalb scheiße, weil sie Rassist_innen, Antisemit_innen, oder – in Dresden besonders relevant – Geschichtsrevisionist_innen sind. Also Anhänger_innen antiindividualisitscher und menschenverachtender Ideologien. Kritik muss an diesen Ideologien und im konkreten Fall ansetzen; richtet sie sich nur oberflächlich „gegen Nazis“, bleibt sie stumpf. So muss das Anliegen Dresden „nazifrei“ zu machen notwendig scheitern. Ein Anliegen, dessen unschöne Metaphorik aus dem Wörterbuch der Unmenschen entliehen sein könnte2 und das personifiziert, statt Ideologiekritik zu treiben.
Die eigentlichen Probleme werden damit sogar verdrängt. Sagen die Goldenen Zitronen noch „Was sollen die Nazis raus aus Deutschland, was hätte das für einen Sinn?“ so kann man selbiges für Dresden feststellen. Nazis bleiben Nazis, da ändert Antifaschismus, wie er von „Dresden Nazifrei“ und „no pasaran“ praktiziert wird, wenig.

Blockaden und ziviler Ungehorsam werden – spätestens seit Hörsaalbesetzer_innen von Bildungsminister_innen Verständnis entgegengebracht wird – längst nicht mehr gegen, sondern gemeinsam mit Politik und Zivilgesellschaft veranstaltet. So passiert in Dresden, was schon in Köln oder Jena passierte. Es wird nicht nur verhindert, dass Nazis marschieren, sondern auch, dass unschöne Bilder, dem Stadtimage nicht gerade zuträglich, um die Welt gehen; und die Stadtoberen danken es. Eingemeindet ins Dresdener Gedenk-Ringelpietz haben „Dresen Nazifrei“ und „no pasaran“ so erreicht, was bereits vorher Aktionskonsens war.

Selbstzweck und Eventgeheische

Und ein bisschen dient punktuelles Anti-Nazi-Engagement wohl auch der Gewissensberuhigung und der Vergewisserung der eigenen antifaschistischen Identität. Wie kommt es sonst, dass der Großevent Dresden tausende Menschen mobilisieren kann, während in der ostdeutschen Provinz Antifagruppen immer wieder auf sich allein gestellt bleiben, wenn sie tatsächlich versuchen die Hegemonie der Nazis zu brechen?
Dresden scheint nicht wenigen Spaß bereitet zu haben und das ist bedauerlich. Naziaufmärsche und Polizeieinsätze in verwinkelten Straßen sind kein Abenteuerspielplatz, wo man seine revolutionäre Energie ausleben kann, sondern sollten gar nicht existieren. Die Vermutung, manchen würde dann etwas fehlen, scheint aber gar nicht so abwegig. Zu kritisieren ist hier vor allem das Auftreten des so genannten „Black Block“, der trotz aller anders lautender Beschwörung einer homogenen Masse Riot suchender Actionkiddies gleicht. Eine Rechtfertigung für das Auftreten als „Black Block“ gibt es in Dresden nicht und das Katz und Maus Spiel mit den Repressionsapparaten des Staates könnte wohl ein ums andere mal umgangen werden. Es ist schlicht nicht notwendig, solange Blockaden nicht geräumt werden und damit das erklärte Ziel eigentlich erreicht ist. Fragen muss man sich, was das kollektive Auftreten als schwarze Masse nach außen symbolisiert. Nicht nur das mackerhafte Auftreten ist aus antisexistischer Sicht zu problematisieren, sondern vor allem die völlige Liquidation des Individuums im Kollektiv und der gemeinsamen Tat, die Identität und Gemeinschaft stiftet, etwas also, dem es aus ideologiekritischer Sicht entgegenzutreten gilt. Nicht ohne Grund können sich Autonome Nationalisten so problemlos dieser Codes und Styles bedienen – sie missbrauchen sie nicht, sondern führen vielmehr vor Augen, wie inhaltsleer diese schon immer gewesen sind.

Das Gegenkollektiv

Ohnehin war Dresden an diesem Tag voll von „Wirs“. Während sich Dresdener Bürger_innen an der Frauenkirche ins Trauerkollektiv fügten und die Nazis sich gemeinsam als starke ungeliebte Masse aufführen konnten, kreierten „Dresden Nazifrei“ und „no pasaran“ das vermeintlich gute Gegenkollektiv. „WIR sind solidarisch!“, „WIR sind viele!“, „WIR haben den Naziaufmarsch verhindert!“, „WIR haben gesiegt!“. Allein im Aufruf von „no pasaran“ übersteigt die Anzahl der „wir“ und „uns“ schnell ein gutes Dutzend. Eingemeindet in dieses Kollektiv wird jede_r, der_die auch nur im entferntesten etwas gegen Nazis einzuwenden hat. Dort finden sich Politiker_innen, die im Bundestag deutsche Angriffskriege beschließen und die deutsche Asylgesetzgebung gestalten ebenso, wie Hassprediger Holger Burner, Stalinist_innen, Friedensfreund_innen und linke Deutsche. Das Gefühl, irgendwie zu den „Guten“ zu gehören, scheint grundlegendes Motiv zu sein; nicht die radikale Kritik, sondern die Suche nach Identität.

Stattdessen?

Stattdessen gilt es aber Kritik zu üben an den Ideologien der Nazis, die über dümmliche Parolen á la „Nazis raus“ hinausgeht. Kritik also, die es verbietet auf Blockaden deutschtümmelnde Lieder, wie „Wir sind Wir“ oder Nena zu spielen, die darauf verzichtet im Kampf gegen Nazis ein vermeintlich „gutes“ Gegenkollektiv zu beschwören und die das in den Fokus rückt, worum es den Nazis an diesem Tag geht: Die Umdeutung der Bombentoten in Opfer. Daran anknüpfend erkennen, wo und in welchen Formen dieser Geschichtsrevisionismus geäußert wird und das bürgerliche Gedenken zugleich zum Gegenstand der Kritik zu machen. Nicht deshalb, weil die Bürger_innen menschenverachtenderes und gefährlicheres Gedankengut propagieren – das ist gewiss nicht der Fall – sondern weil sie, anders als die Nazis, gesellschaftliche Diskurse bestimmen und ihnen dabei, von einigen wenigen Gruppen abgesehen, keine Kritik entgegengehalten wird.
Notwendig wäre außerdem eine konsequente antifaschistische Intervention im ländlichen Raum, die vor allem darin besteht, Nazis dort entgegenzutreten, wo sie Jugendklubs und peer groups bestimmen und ihren Nachwuchs rekrutieren. Das erfordert alternative Subkulturen und linkes Engagement und zwar nicht nur im Autonomen Zentrum im alternativen Kiez der Großstadt, sondern vor allem in Städten wie Pirna, Colditz, Mügeln, Wurzen, Limbach-Oberfrona und den angrenzenden Dörfern. In Dresden treffen sich tausende Nazis nur einmal im Jahr, in ihren Herkunftsregionen wirken sie aber permanent. Das ist die konkrete Gefahr, die von Nazis heute ausgeht und dagegen nützt Symbolpolitik, wie sie in Dresden zelebriert wurde, nichts; im Gegenteil, sie vernebelt den Blick.
Schließlich bleibt festzustellen, dass menschenverachtendes Gedankengut nicht auf Nazis beschränkt bleibt. Es gilt menschenverachtende Ideologien überall zu kritisieren. Sei es der Geschichtsrevisionismus der Dresdener Bürger_innen oder die Asylpolitik Deutschlands, sei es der Nationalismus Kubaflaggen und Che-Guevara-Aufnäher tragender Antifas, sei es der Antisemitismus der palituchtragenden Jugend oder die Rufe nach „Nie wieder Krieg!“ friedensbewegter Deutscher. Mit diesen Gruppen kann nicht gegen Nazis demonstriert werden. Sie stehen der Utopie einer freien Assoziation der Individuen ebenso entgegen wie jene, die am 13. Februar blockiert wurden. Es gilt, sie als das zu begreifen, was sie sind: Apologet_innen des falschen Ganzen, die dem politischen Anliegen einer radikalen Linken im Wege stehen.

Antifaschistische Gruppe Freiberg, Februar 2010

Quelle: http://afg.blogsport.de/2010/02/16/und-alle-gegen-nazis/

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Auf nach Dresden! http://AAMSP.blogsport.de/2010/01/18/auf-nach-dresden/ http://AAMSP.blogsport.de/2010/01/18/auf-nach-dresden/#comments Mon, 18 Jan 2010 16:41:49 +0000 Administrator Archiv http://AAMSP.blogsport.de/2010/01/18/auf-nach-dresden/

Aufruf zum 13. Februar 2010 in Dresden:

Keine Versöhnung mit Deutschland!

Das Dresden-Gedenken scheint wichtig, so wichtig, dass die neue sächsische Staatsregierung eigens für den bevorstehenden 65. Jahrestag das Versammlungsrecht noch schnell erheblich einschränken will. Schließlich ruinieren „Extremisten“ schon seit Jahren die Gedenkstimmung rund um den 13. Februar und gefährden Sicherheit, Ruhe und Ordnung. Unterdessen versucht eine Handvoll Dresdner Kultur- und Kirchenprominenz ein weiteres Denkmal zur Erinnerung an die Bombardierung und das Wiedererstehen der Stadt zu erstreiten. Zwar wurde erst 2009 eine neue Erinnerungsstelle in der Altstadt eingeweiht, aber Mahnmale für Dresden kann es in Dresden nicht genug geben. Mit kaum verhohlener revanchistischer Rhetorik wird das Denkmal in der Sächsischen Zeitung beworben; es zeigt einen „gestürzte[n] Mensch[en], der sich aufbäumt, ein Gefallener, der aus eigener Kraft aufersteht. So wie die Dresdner, so wie ihre Stadt.“ Die Oberbürgermeisterin bemüht sich derweil, eine dem Jahrestag angemessene Gedenkatmosphäre zu schaffen – laute Musik oder Demonstrationen sind dabei sehr hinderlich, denn das erwünschte Gedenken soll als unpolitischer und damit unhinterfragbarer Akt wahrgenommen werden. Mit Hilfe einer Menschenkette um die historische Altstadt soll ein „Zeichen gegen Extremismus“ gesetzt und gleichzeitig der Zerstörung der Stadt gedacht werden. Business as usual in Dresden.


Wenn von „Extremisten“ die Rede ist, sind vor allem diejenigen gemeint, die Kritik am Gedenken äußern, deutschen Opfermythen widersprechen oder gegen den Aufmarsch tausender Nazis mehr als nur symbolisch und nicht zur Verteidigung des „wahrhaften Gedenkens“ protestieren. Weniger gemeint sind die Nazis. Ihnen soll durch das Gesetz ein Aufmarsch durch die historische Dresdner Altstadt verboten werden, also etwas, worauf sie bereits 2009 verzichteten. Ihnen wird auch weiterhin mit der Floskel begegnet, sie würden das Gedenken „missbrauchen“. Übergangen wird dabei geflissentlich, dass die Nazis sich in ihrer Grundaussage nicht vom bürgerlichen Gedenken unterscheiden – sie erinnern genauso an vermeintlich unschuldige deutsche Opfer.

Für eine emanzipatorische Linke bedeutet das viel Arbeit. Es heißt vor Ort zu sein und die unbequemen Fragen zu thematisieren. Es heißt deutlich zu machen, dass allen Formen des Gedenkens eben dieser gemeinsame geschichtsrevisionistische Kern innewohnt.

Die Mythen um Dresden
Dresden gilt als „Sinnbild der Zerstörung und der zivilen Kriegsopfer“ weil sich seine Zerstörung „von den Zerstörungen anderer deutscher Städte deutlich unterschied“ und „nur kurze Zeit vor Kriegsende, als besonders viele Flüchtlinge in der Stadt waren, was die Zahl und das Gewicht der menschlichen Opfer weiter erhöhte“ stattfand, heißt es im eingangs angeführten Gesetzentwurf der sächsischen Staatsregierung. Doch wie entstand diese Vielzahl von Mythen, denn um nichts anderes handelt es sich hierbei? Sie gehen auf eine NS-Propagandakampagne zurück, die einerseits darauf zielte, den Volkssturm im Inland zu stärken, und andererseits die Alliierten im Ausland zu diskreditieren. Zur Dramatisierung wurden einfach die Totenzahlen, die bei höchstens 25 000 lagen, verzehnfacht. Auch die Tiefflieger entsprangen schlicht der Phantasie der NS-Propaganda. Ebenso ist es mit der unschuldigen Kunst- und Kulturstadt nicht weit her. Dresden war die zweitgrößte Garnisonsstadt und wichtiger Standort der Rüstungsproduktion des Dritten Reiches. Zudem leisteten die Dresdner_innen gleichermaßen wie der Rest der deutschen Bevölkerung ihren Beitrag zur Umsetzung und Verteidigung der Volksgemeinschaft, in dem sie sich aktiv oder zumindest passiv beteiligten. Bis zuletzt wurden Jüdinnen und Juden verfolgt. Noch während und kurz nach der Bombardierung Dresdens wurden ehemalige KZ-Insassen auf Todesmärschen durch Dresden getrieben. Die Mythen um Dresden spielen nach wie vor keine unerhebliche Rolle im Gedenken zum 13. Februar. So veröffentlichte die sächsische Landeszentrale für politische Bildung unlängst ein Buch, in dem verschiedene Zeitzeug_innen in unkommentierter Form jene Mythen zum Besten geben und fortschreiben.

Gleichzeitig ist im offiziellen Gedenken seit einiger Zeit eine Veränderung wahrzunehmen. In den Reden, die am 13. Februar 2009 gehalten wurden, sind inhaltliche Verschiebungen auszumachen. Es findet eine geschichtliche Einordnung der Ereignisse am 13. und 14. Februar 1945 statt; an Stelle der bekannten Dresdenmythen werden wissenschaftliche Fakten benannt. Statt Verdrängung und Leugnung findet sich die Betonung, dass die Bombardierung Dresdens als Folge der „nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ zu sehen sei. So formuliert die Dresdner Oberbürgermeisterin Orosz: „Wie Dresden mussten tausende andere Menschenorte in Schutt und Asche sinken, ehe denen, die diesen Krieg angezettelt hatten, der nationalsozialistischen Verbrecher-Clique, Einhalt geboten war.“

Die ausgemachte „Versachlichung“ und Benennung geschichtlicher Zusammenhänge gibt jedoch keinerlei Anlass, von der Kritik am jährlich in Dresden zelebrierten Gedenken abzurücken. Im Gegenteil.

Opfermythos 2.0
Dass es möglich ist, jenen Deutschen zu gedenken, welche selbst zum Großteil die nationalsozialistische Ideologie teilten und involviert waren in das mörderische System, gleichzeitig aber die Ablehnung des NS und die gelungene Aufarbeitung der Vergangenheit zu propagieren, ohne dabei in Konflikt zu geraten, liegt in der Art und Weise der Betrachtung des NS und der Beschreibung des „Kontextes“. Ein Beispiel: In den immer gleichen hohlen Phrasen wird betont, dass jener Krieg, der 1939 von Deutschland ausging, im Februar 1945 zurückgeschlagen habe.

Von wem ging der Krieg aus?
Wahlweise von der „nationalsozialistischen Verbrecher-Clique“, von „Hitler und seinen Helfern“ oder aber ganz abstrakt von „den Nazis“. Losgelöst von diesen Schuldigen, wird eine unschuldige, unbeteiligte deutsche Zivilbevölkerung konstruiert, die so nie existierte. Der NS war in seiner Systematik, seiner Ideologie und seinen Verbrechen auf die aktive oder zumindest passive Beteiligung der „ganz normalen Deutschen“ angewiesen. Es ist die gern übergangene historische Tatsache, dass der Großteil der Deutschen die Ideologie von Volksgemeinschaft und Herrenrasse, vom unterdrückten deutschen Volk und vom notwendigen Krieg teilte und das nationalsozialistische Projekt unterstützte. Dieses fand nicht heimlich statt, gesteuert von „ein paar Fanatikern“, sondern war in Zeitungen nachzulesen, auf der Straße und in der Wochenschau zu sehen und bereits in Kinderliedern zu hören. Wenn nun aber die „ganz normale deutsche Bevölkerung“ von jeglicher Beteiligung am Nationalsozialismus freigesprochen wird, erscheint diese im Dresden-Gedenken perfiderweise als „Opfer des NS“ und nicht als wesentlicher Garant für dessen Gelingen. Diese behaupteten „normalen“ Deutschen hätten selbst unter der „Hitlertyrannei“, welche die Bombardierung verursacht hat, gelitten. Dresden habe mit seiner Zerstörung für die Verbrechen „der Nazis“ büßen müssen und sei nun aufgrund der eigenen Leiderfahrung geläutert. So kann sich Dresden auch zum 65. Jahrestag der Bombardierung einmal mehr als das darstellen, was es so gern sein möchte – das Symbol für Frieden und Versöhnung.

Der Krieg schlug zurück?
Die Bombardierung Dresdens war kein Zurückschlagen des von den Deutschen geführten Vernichtungskriegs, sondern ein militärisches Mittel zur Niederschlagung der nationalsozialistischen Barbarei und bedeutete für deren Opfer ein Schritt in Richtung Befreiung. Nur indem menschliches Leid in einer unpolitischen und nur noch moralischen Sicht per se zum einzigen Ausgangspunkt in der Betrachtung des 2. Weltkriegs wird, ist die Rede vom zurückschlagenden Krieg möglich. Eine Auseinandersetzung mit Schuld und Täterschaft, ja überhaupt mit Historie, wird dabei umgangen. Hier macht der Krieg alle gleichermaßen zu Täter_innen und Opfern und einzig Leid wird zum universellen Maßstab. Diese indifferente Betrachtungsweise ermöglicht und legitimiert das Gedenken an die vermeintlichen deutschen Opfer, weil sie die Frage nach der Spezifik deutscher Verbrechen und nach den Voraussetzungen für deren Durchführung nicht stellt. Dass die Deutschen einen Vernichtungskrieg in Osteuropa führten, in dem sie bewusst ganze Landstriche verwüsteten und die Bevölkerung auslöschten, um ihren Plan der Gewinnung neuen „Lebensraums“ für die deutsche Volksgemeinschaft zu verwirklichen, dass die Deutschen systematisch Millionen Jüdinnen und Juden in ganz Europa zusammentrieben, deportierten und in Vernichtungslagern töteten, dass dem deutschen Rassenwahn Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte zum Opfer fielen – all das verschwindet in der Rede vom „zurückschlagenden Krieg“. In ihr werden Verallgemeinerung und Moralisierung betrieben, welche schlussendlich nur der Verharmlosung und Relativierung Deutscher Schuld dienen.

Mit einer solchen Benennung der „Vorgeschichte“ der Bombardierung wird eine Interpretation der Ereignisse angeboten, die es ermöglicht, einen deutschen Opfermythos ins modernisierte Gedenken zu übersetzen und so nutzbar zu machen für die Konstruktion einer modernen Dresdner, aber auch deutschen Identität.

„Vergangenheitsbewältigungsweltmeister“
Diese Form der Relativierung ist nicht neu. Auf bundespolitischer Ebene setzte ein solcher Wandel in der Erinnerungspolitik und im Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands bereits Ende der 90er Jahre ein. „Nicht trotz sondern wegen Auschwitz“ – so die Begründung Joschka Fischers – führten deutsche Soldaten 1999 in Jugoslawien erstmalig wieder Krieg. Aus der vorbildlichen Aufarbeitung der Geschichte ergäbe sich die Befähigung und die moralische Verantwortung überall dort auf der Welt auch militärisch einzugreifen, wo Unrecht geschieht. Die Aufarbeitung der eigenen „dunklen Geschichte“ wird stolz vor sich her getragen und als moralischer Pluspunkt innerhalb der europäischen und internationalen Gemeinschaft nutzbar gemacht. Seit Rot-Grün ist Deutschlands Umgang mit seiner Vergangenheit nicht mehr durch Verdrängung, Leugnung und Schlussstrichdenken gekennzeichnet, sondern vielmehr durch Anerkennung und Integration, geradezu Einverleibung der nationalsozialistischen Vergangenheit in die bundesdeutsche Identität. Die einzigartige „Aufarbeitung“ Deutscher Schuld bestärkt das Selbstbild als moderne und geläuterte Nation. Der Umgang mit der deutschen Geschichte spielt für die Identitätskonstruktion eine grundlegende Rolle – der Diskurs um die „deutschen Opfer des Krieges“ durch Bombardierung oder Vertreibung; das Paradigma der freiheitsliebenden Deutschen, welche die zweite Diktatur auf deutschem Boden – so der gleichmacherische Jargon der Totalitarismustheorie – in einer „friedlichen Revolution“ von sich abschüttelten.

Gezeichnet wird das Bild einer normalen, aufgeklärten Nation, einer Nation, die zu ihren Fehlern steht und daraus gelernt hat. Deutsche Täterschaft wird anerkannt, verschwindet jedoch im abstrakten Jahrhundert der Kriege, im allgemeinen Leid, hinter einer Clique von Naziverbrechern. Die Dresdner Erzählung von den Deutschen als Opfer ist ein Baustein in dem Versuch, eine ungebrochene deutsche Identität zu gewährleisten, denn das Gedenken bezieht sich positiv auf eine vermeintlich unschuldige Zivilbevölkerung. Eine tatsächliche Auseinandersetzung mit dem NS jedoch hieße zu erkennen, dass es eine solche nicht gegeben haben kann. Ein positiver Bezug auf Deutschland verböte sich – insbesondere angesichts der planmäßigen Entrechtung, Verfolgung und Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden als Konsequenz eines deutschen Antisemitismus, in dem sich eine ganze Gesellschaft zusammenfand. Es ist der von Moishe Postone geforderte „konstante d.h. in fortwährender Auseinandersetzung zu vollziehende Bruch“, der als einzige Konsequenz aus der Vergangenheit der Deutschen zu ziehen ist. Kein Fortschreiben einer bruchlosen deutschen Identität, sondern ein Bruch mit den Kontinuitäten nationalsozialistischer Ideologie. Ein Bruch mit Deutschland!

Seit Goebbels nichts Neues
Anknüpfend an das bürgerliche Gedenken etablierten die Nazis ihren Aufmarsch zum 13. Februar. Er entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem der größten Naziaufmärsche nach 1945. Zwar gibt es auch in anderen deutschen Städten Nazi-Erinnerungsveranstaltungen, die Größenordnung Dresdens wird dabei aber nicht einmal annähernd erreicht. Zu beantworten ist also die Frage, warum gerade Dresden so attraktiv für die bundesweite Nazisszene ist?

Der 13. Februar erlaubt den Nazis heute ein direktes Anknüpfen an ihre historischen Vorbilder. Viele der Dresdner Mythen haben ihren Ursprung in der propagandistischen Ausschlachtung der Bombardierung durch das Reichspropagandaministerium, welches den Grundstein für eine Täter_innen-Opfer-Umkehr legte. Darüber hinaus fand die Darstellung, die die Bombardierung als alliiertes Kriegsverbrechen brandmarkte, große Resonanz in der Bevölkerung. Die Mythen wurden in die lokale „oral history“ integriert und in der Nachkriegszeit, sowie in DDR und später BRD unzählige Male reproduziert. Sie sind so im kulturellen Gedächtnis verfestigt, dass die Mythen noch heute immer wieder im Diskurs anzutreffen sind und in weiten Teilen der Bevölkerung zum common sense gehören. Für die Nazis ergibt sich hieraus eine Situation, in der sich ihre Position großflächig mit der hegemonialen öffentlichen Meinung überschneidet und ihnen ein unkompliziertes Mitmachen ermöglicht. Sie können sich in Bezug auf den 13. Februar ohne weiteres als Teil der gesellschaftlichen Mitte sehen. Bestärkt wird diese Sicht durch die in Dresden geläufige Position, die Nazis würden – zwar aus falschen Gründen – das Richtige tun: trauern.

Im Unterschied zum bürgerlichen Gedenken nehmen die Nazis in ihrer Form des Gedenkens jedoch ganz offen Bezug auf die NS-Ideologie. Argumentativer Bezugspunkt ist die deutsche Volksgemeinschaft. So spricht der sächsische NPD-Abgeordnete Jürgen Gansel davon, dass der „deutsche Volkskörper“ von einem „eliminatorischen Antigermanismus“ bedroht gewesen sei, die Deutschen also aufgrund ihres Deutschseins bombardiert worden wären. Es findet letztendlich eine Umdeutung des Krieges statt, so dass eben nicht Deutschlands Vernichtungskrieg im Fokus steht, sondern, dass die Alliierten einen Krieg gegen Deutschland entfacht hätten, um die „deutsche Rasse“ zu vernichten. Daran anschließend wird ein vermeintlicher Tabubruch eingefordert, der es endlich ermögliche, um „deutsche Opfer“ zu trauern und sich von der „moralischen Holocaustkeule“ zu lösen. Damit wird ein unverhohlener Antisemitismus deutlich, der sich durch die gesamte Argumentation zieht. So ist auch in bewusster Anlehnung an die Begriffe aus dem Gedenken an die Opfer der Shoa vom „alliierten Bombenholocaust“ die Rede.

And now? Action!
Auch am 13. Februar 2010 werden in Dresden wieder mehrere tausend Antifaschist_innen gegen den Nazi-Großaufmarsch protestieren. Wir rufen dazu auf, dieses Anliegen nicht losgelöst von einer grundlegenden Kritik des Gedenkens zu betrachten und den Fokus linksradikaler Aktivitäten auch auf das städtische Gedenken zu richten. Ein Ansatz, der zugunsten einer breiten Mobilisierung allein den Naziaufmarsch in den Mittelpunkt rückt, übergeht allzu leicht den geschichtsrevisionistischen Kern sämtlicher 13. Februar-Gedenkenformen. Die Folgen sind unangenehm aber vorhersehbar: Subsumierung ins Dresden-Gedenk-Ringelpiez und Eingemeindung in die Dresdner Bürgerschaft, die das Ansehen Dresdens und das Gedenken gegen einen „Missbrauch“ verteidigen will.

Folgerichtig sollte sich eine radikale Linke bemühen, eine gedenkkritische Position sicht- und wahrnehmbar zu machen und darauf verzichten, sich ausschließlich an den Nazis abzuarbeiten. Das heißt zuallererst, die Differenzen zwischen dem bürgerlichen Gedenken und dem der Nazis richtig einzuschätzen: sie sind vorhanden, aber nur vordergründiger Art und spätestens mit dem Hauptanliegen, der Trauer um vermeintliche deutsche Opfer, erschöpft. Genau hier gilt es anzusetzen und Kritik zu üben. Unterbleibt diese, etwa aus Sorge um die Anschlussfähigkeit der eigenen Position, wird weiterhin die sowohl im bürgerlichen als auch im Nazi-Spektrum kursierende Erzählung von den Deutschen als Opfer des Zweiten Weltkriegs gestärkt und damit auch ein neuer deutscher Nationalismus legitimiert. Eine Linke, die solche geschichtspolitische Kritik aufgibt, würde sich selbst überflüssig machen.

Selbstverständlich folgt hieraus nicht, die Nazis rechts liegen zu lassen. Ein Aufmarsch, der ein offen nationalsozialistisches Weltbild propagiert, außerdem Shoa und Vernichtungskrieg relativiert darf nicht unwidersprochen stattfinden. Ihm kompromisslos entgegenzutreten ergibt sich schon allein aus dessen Größenordnung und dem damit einhergehenden ganz realen Gefahrenpotential.

Deswegen heißt es auch 2010: Keine Versöhnung mit Deutschland. Gegen jeden Geschichtsrevisionismus. Deutsche Täter_innen sind keine Opfer. Naziaufmarsch verhindern.

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13.1. Vortrag in Würzburg http://AAMSP.blogsport.de/2010/01/07/131-vortrag-in-wuerzburg/ http://AAMSP.blogsport.de/2010/01/07/131-vortrag-in-wuerzburg/#comments Thu, 07 Jan 2010 16:56:56 +0000 Administrator Archiv http://AAMSP.blogsport.de/2010/01/07/131-vortrag-in-wuerzburg/

Am 13. Januar veranstaltet die Gruppe Exil – unterstützt vom Verein für Kultur, Politik und Kritik – in Würzburg einen Vortrag mit dem Thema „1917 – Anfang oder Ende des Kommunismus?“. Referent Daniel Kulla wird ab 19 Uhr im Café Kult (Landwehrstr. 10) zu hören sein.

Kommunismus als Schlagwort der allgemeinen Emanzipation – durch Überwindung der Klassengesellschaft und die Herstellung eines gleichen Zugangs zum gesellschaftlichen Reichtum – datiert schon zurück ins 19. Jahrhundert. Die Kommunistischen Parteien hingegen formieren sich unter diesem Namen erst im Jahr 1917 im revolutionären Rußland – und zwar als Vertreter einer ganz bestimmten Interpretation und ganz bestimmter Konsequenzen aus den Ereignissen dieses Jahres.

In einer vergleichenden Betrachtung der sowjetischen, der anarchistischen und der bürgerlich-antikommunistischen Geschichtsschreibung wird zu untersuchen sein, ob sich die KP-Deutung aufrechterhalten läßt und inwiefern sich eine kommunistische Position in derselben Tradition verorten kann. Es wird der Frage nachgegangen, in welchem Maß sich das kommunistische Projekt heute auf historische Positionierungen, äußere Erscheinung und konkrete Politikformen der Kommunistischen Parteien beziehen läßt.

Ist die Distanzierung von der Vergangenheit bequem oder konsequent? Gibt es eine Entscheidung zwischen Kommunismus als Ziel und kommunistischer Bewegung?

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Dreizehnter Zwölfter – 1.3.1.2. http://AAMSP.blogsport.de/2009/12/15/dreizehnter-zwoelfter-1213/ http://AAMSP.blogsport.de/2009/12/15/dreizehnter-zwoelfter-1213/#comments Tue, 15 Dec 2009 22:14:42 +0000 Administrator Archiv http://AAMSP.blogsport.de/2009/12/15/dreizehnter-zwoelfter-1213/ Dieses Flugblatt kam am 13.12. in Würzburg in Umlauf:

Kriminell ist das System, und nicht unser Widerstand!

Die Frage, ob wir uns überhaupt in irgendeine Polizeistrategie einfügen sollten, eine Demo anmelden sollten, können wir spätestens seit der „Fight Fortress Europe“ Demo am 05.09.2009 mit Nein beantworten! Das Polizeiaufgebot sowie die Auflagen waren eine Zumutung. Der so wichtige „freiheitliche“ Charakter einer Demonstration konnte nicht gewahrt werden. Daraus haben wir gelernt:

Wir müssen uns nicht erst legitimieren lassen, um unseren Unmut, den die kapitalistische Gesellschaftsform hervorbringt, in einer spontanen Versammlung auszudrücken.
Genau ein Jahr ist es nun her! Die meisten von euch, die dieses Flugblatt in diesem Moment lesen, werden dieses Ereignis sicher noch in Erinnerung haben. Am 13. Dezember 08 kam es in der Würzburger Innenstadt zu spontanem Protest, hervorgerufen durch den vorangegangenen, von einem Polizisten verübten Mord an einem Jugendlichen in Athen.
Samstag, eine Woche zuvor: nach einer verbalen Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe linker Jugendlicher und der Polizei, sank einer der Autonomen von Schüssen getroffen zu Boden, die ein Polizist, angeblich zur Selbstverteidigung, abgegeben hatte. Daraufhin kam es landesweit zu Demonstrationen, heftigen Straßenschlachten und zahlreichen Besetzungen, denn in der griechischen radikalen Linken brach nach diesem Vorfall die schon lange schwelende Wut über erfahrene staatliche Repression, Polizeigewalt und die vorhandenen gesellschaftlichen Widersprüche hervor. Der Schuss auf einen Genossen verursachte in Griechenland einen Flächenbrand. Es kam zu wochenlangen Straßenschlachten, die von großen Teilen der Bevölkerung getragen wurden. Der Leistungs- und Konkurrenzzwang, die Perspektivlosigkeit, die sozialen Unterschiede die der Kapitalismus den Menschen aufzwingt entluden sich in purem, gerechtfertigtem Hass. Das Fass war übergelaufen!

Aufgrund des Mordes und der anhaltenden Revolte versammelten sich am 13. Dezember 2008 nun auch in Würzburg an die hundert Personen, um sich mit den griechischen Demonstrant_innen zu solidarisieren. Im Verlauf dieser Solidaritätsaktion wurden neun Genoss_innen festgenommen. Es liefen und laufen Verfahren unter anderem wegen schwerer Körperverletzung, Landfriedensbruch und versuchter Gefangenenbefreiung. Die im Nachhinein erfolgten Repressalien gegenüber der lokalen linken Szene wurden in Anquatschversuchen gegenüber Genoss_innen, sowie in Anklagen gegenüber diesen deutlich. Eine Aktivistin z. B. wurde nun aufgrund mehrerer Auseinandersetzungen mit Nazis zu einer Woche Knast sowie einer Bewährungsstrafe von 3 Jahren verurteilt. Desweiteren steht in den Bewährungsauflagen dass sie keine linken Veranstaltungen besuchen darf. Dies nehmen wir als ein vom Staat ausgehendes Mittel sozialer Ausgrenzung wahr. Das Gericht ist eine Institution des bürgerlichen Staates, ein Staat, den wir als radikale Linke ablehnen und bekämpfen, da er eine Gesellschaftsform absichert, die zu Armut, Hunger und Krieg führt.

Unser Ziel, die radikale Veränderung dieser Gesellschaft, ist es, das dem bürgerlich-kapitalistischen Staat ein Dorn im Auge ist und auch der Grund ist für die Einrichtung von Spitzel-, Repressions- und Aufstandsbekämpfungsdiensten wie dem Verfassungsschutz, dem Staatsschutz, der kasernierten Bereitschaftspolizei, den Landeskriminalämtern mit ihren, nach politischen Feinden differenzierten, verdeckt operierenden Spezialeinheiten und der Bundeswehr, die im Falle von „Notständen“ schon heute im Inneren der BRD gegen Aufständische, also z.B. streikende Arbeiter_innen eingesetzt werden kann. Soziale Bewegungen haben in der BRD schon immer mit Repression, Schikane und Einschüchterungen zu kämpfen. Repression ist ein unverzichtbares Element in der kapitalistischen Gesellschaft. Sie soll die Funktionsweise des Systems gewährleisten und gegen jegliche emanzipatorische Bestrebungen aufrecht erhalten. Daraus folgt logischerweise, dass eben diese Bestrebungen, dieser Widerstand, der auf die Überwindung des kapitalistischen Systems abzielt, mit Gewalt beantwortet wird. Wir stellen das autoritäre Gewaltmonopol des Staates jeden Tag aufs Neue in Frage.
Also, Schluss mit dem Verzicht, Schluss mit dem sozialen Frieden, Schluss mit dem zahmen Protest, denn eines ist klar: Unser Widerstand wird nur dann erfolgreich sein, wenn Staat und Kapital ihn wirklich zu spüren bekommen. Egal ob es darum geht, die über die Jahrzehnte erkämpften Rechte zu verteidigen, unsere Lebensbedingungen zu verbessern oder in die Offensive zu gehen bis hin zum Kampf um das, was uns wirklich zusteht: der gesellschaftlich produzierte Reichtum für alle und die Produktionsmittel in die Hände aller und das überall!
Für einen anständigen Aufstand!

Golondrina Roja (Rote Schwalbe) – Redical Left Würzburg

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